Wladimir Solowjow über Weihnachten: Philosophie der Göttlichen Inkarnation und des Allens
Einführung: Weihnachten als zentrales Ereignis der Weltgeschichte
Für Wladimir Serdjewitsch Solowjow (1853-1900), der größte russische Philosoph, Dichter und Theologe, war das Christuskind nicht einfach ein evangelisches Ereignis oder ein religiöser Festtag. Im Rahmen seiner umfassenden philosophischen System «Allens» und der Konzeption des «Göttlich-Menschlichen» erhielt Weihnachten ein zentrales, kosmologisches Bedeutung. Dies war ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Kosmos, ein Akt der Verbindung des absoluten göttlichen Beginns mit der geschaffenen menschlichen Natur, der die Grundlage für die Verwandlung der ganzen Welt legte.
Weihnachten als Erscheinung des Göttlich-Menschlichen
Das Herz des Verständnisses Solowjows von Weihnachten ist seine Christologie, die Lehre von Christus als Göttlich-Menschlichem. Die Inkarnation Gottes in dem Knaben Jesus ist für den Philosophen kein Zufall, sondern eine logische und metaphysische Notwendigkeit.
Überwindung des Bruchs: Der Welt, nach Solowjow, befindet sich in einem Zustand der «allgemeinen Entzerrung», der Absonderung von Gott, voneinander und von ihrer idealen Substanz. Der Grund ist der Fall des Menschen, den Solowjow nicht nur als moralische, sondern auch als metaphysische Katastrophe, den Bruch der Verbindung zwischen Schöpfer und Geschafftem, verstand. Weihnachten ist der Anfang der Heilung dieses Bruchs. Gott sendet nicht einfach einen Propheten, sondern tritt selbst in die Struktur des geschaffenen Seins ein, verbindet in einer Person (Ikon) zwei Naturen: göttliche und menschliche.
Grundlage für das Allens: Der inkarnierte Christus wird zum lebendigen Mittelpunkt des Allens — jener harmonischen Verbindung alles mit allem in Gott, zu der, nach Solowjows Denken, die Welt strebt. In Christus ist bereits das Einheit des Menschen mit Gott potenziell wiederhergestellt, was bedeutet, dass der Vektor für die Wiederh ...
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