Alice im Wunderland: moderne Kontexte des verrückten Welts Die Geschichte, die mit dem Sturz in die Kaninchenhöhle beginnt, hat seit über einem Jahrhundert nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil, mit jedem Jahrzehnt gewinnt sie neue Bedeutungen, wird zu einem Spiegel, in dem wir weniger den seltsamen Kosmos Carrolls sehen, als vielmehr unsere eigenen absurden Realitäten. Heute ist "Alice im Wunderland" nicht nur ein Kinderbuch, sondern eine philosophische Schrift über Sprache, Macht, Identität und die Natur der Realität. In der Ära der Postwahrheit, des Informationsrauschens und verschwommener Grenzen klingen ihre Charaktere und Dialoge fast wie Prophezeiungen. Sprache als Labyrinth: Warum wir uns nicht mehr verstehen Eine der bekanntesten Szenen im Buch ist der Dialog zwischen Alice und der Maus, wo sie versucht, von ihrer Katze zu erzählen, und die Maus in Schrecken die Unterhaltung verlässt. Dieser Episode ist nicht nur ein lustiger Kuriosität, sondern eine brillante Illustration dafür, wie dasselbe Wort für verschiedene Bewusstseine unzugänglich sein kann. Heute leben wir in einer Welt, wo jeder auf seinem Dialekt spricht, und selbst einfache Wörter verlieren ihre Bedeutung. Politische Manifeste, Werbeslogans, Hashtags in den sozialen Netzwerken — all das erinnert an den Dialog zwischen Alice und den Charakteren Carrolls: Wir hören die Worte, aber der Sinn entkommt uns. Besonders deutlich wird das in der Ära der Informationskriege, wo dieselben Ereignisse in diametral gegensätzlichen Sprachen beschrieben werden. Und jeder ist sicher in seiner Rechtigkeit. Wir finden uns in einer Welt, wo der Sinn eines Wortes nicht durch seine Essenz, sondern durch die Position des Sprechers bestimmt wird. Und hier ist Alice, die versucht zu verstehen, was ein bestimmter Begriff bedeutet, in der Position jeden von uns. Die Königin und die moderne Macht: der Karottenhaus der Autorität Die rote Königin mit ihrem endlosen "Kopf abschneiden!" ist ein Symbol des bürokratis ...
Read more