Goethes Philosophie: Einheit von Natur, Kunst und menschlichem Geist
Der große Dichter, Schöpfer des Faust, erwies sich auch als tiefgründiger Denker. Seine Philosophie ist eine Versuch, Wissenschaft und Kunst zu verbinden, in jedem Erscheinungsbild ein lebendiges Ganzes zu sehen und die Natur als einen ständig sich wandelnden Organismus zu verstehen.
Der Name Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ist jedem gebildeten Menschen als Name eines großen Dichters, Dramatikers und Schöpfers des ewigen Faust bekannt. Goethe selbst hielt seine naturwissenschaftlichen Arbeiten jedoch nicht weniger bedeutend als seine literarischen. Goethes Philosophie ist keine abstrakte Theoretisierung, sondern eine lebendige Weltanschauung, die aus seiner künstlerischen Praxis und seinen jahrzehntelangen Studien in Botanik, Optik, Anatomie und Mineralogie erwuchs.
"Am Anfang war das Werk" — dieser Umformulierung des berühmten biblischen Verses wurde der Grundgedanke des Ansatzes Goethes zum Welt- und Erkennensverhältnis. Anstatt abstrakter Gedanken liegt die lebendige Tätigkeit, das kreative Bemühen, im Grundbestand des Seins.
Natur als lebendiges Ganzes
Die zentrale Kategorie der philosophischen Konzeption Goethes ist das "lebendige Ganzes". Er dachte die Natur nicht als mechanischen Aggregat, unterworfenen den Gesetzen der Physik, sondern als einen riesigen lebenden Organismus, durchdrungen von innerem Einheit. Sie teilt ihr Werk nicht, zersetzt ihr Werk nicht; sie wirft es als Ganzes in voller Verbindung aus. Jedes ihrer Werke hat seine eigene Substanz, jedes ihrer Erscheinungen ein abgegrenztes Konzept, und doch alles besteht aus einem.
Ein solches Verständnis der Natur bedeutete den Verzicht auf den dominierenden Mechanizismus der Wissenschaft im 18. Jahrhundert. Goethe war überzeugt, dass mechanische Gesetze die Geheimnisse des Lebens nicht erklären können: Es ist einfacher, die Entstehung aller Himmelskörper zu verstehen, als die Entstehung einer einzigen Mooskappe oder einer Rau ...
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